Gibt es eine Über­tra­gung von Mensch zu Tier?

P. Scheid

Gibt es eine Übertragung von Mensch zu Tier? © Pexels Helena Lopes

Können sich auch Haus-, Wild- und Nutztiere mit SARS-CoV-2 infizieren? Können sie Träger des Virus sein, oder erkranken sie daran? Können sie für Menschen ansteckend sein? Können gar infizierte Menschen das Virus auf Haus- und Nutztiere übertragen? Fragen, die einer Antwort bedürfen, denn SARS-CoV-2 ist vom Tier (ursprünglich ein Fledertier) über weitere tierische „Zwischenwirte“ (möglicherweise das Pangolin) zum Menschen gelangt und hat sich schließlich an diesen adaptiert. Die SARS-CoV-2 Infektion ist also eine Zoonose. Daher ist es wichtig, die mögliche Rolle von Tieren – und vor allem von solchen, mit denen Menschen im engeren Kontakt sind – in dieser Pandemie zu untersuchen.

Zahlreiche Berichte belegen mittlerweile: Die Übertragung von SARS-CoV-2 von infizierten Menschen auf Tiere ist möglich. Die SARS-CoV-2-Infektion ist daher auch eine „Reverse Zoonose“. Denn bei den meisten SARS-CoV-2-Infektionen bei Tieren (insbesondere bei Haus- und Nutztieren) konnte bestätigt werden, dass der Erreger initial von (infektiösen) Menschen auf die Tiere übertragen wurde.

Um sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, ist ein Rezeptor nötig, an dem das Virus im Körper andockt. Dieser Rezeptor kommt in Menschen vor – und ebenso bei manchen Tieren.

Können auch die neuen Varianten auf Tiere übertragen werden?

Virusvarianten sind durch Mutationen entstandene Varianten des (phylogenetisch) ursprünglichen SARS-CoV-2 Virus (oft als der jeweilige „Wildtyp“ bezeichnet). Solche Varianten können relevante Änderungen von Erregereigenschaften zeigen. Zu diesen Erregereigenschaften zählen beispielsweise Übertragbarkeit, Virulenz, Suszeptibilität gegenüber der Immunantwort von genesenen oder geimpften Personen. Eine erhöhte Transmissionswahrscheinlichkeit kann zu einer höheren Reproduktionsrate und folglich zu einem erhöhten Infektionsgeschehen führen. Solche Mutationen bei RNA Viren, zu denen SARS-CoV-2 gehört, sind per se nicht ungewöhnlich und spiegeln letztlich eine dynamische VirusWirts-Interaktion wieder. Längst nicht alle dieser durch Mutationen entstandenen Varianten führen tatsächlich zu für Mensch oder Tier relevanten Änderungen der Erregereigenschaften Sie können jedoch auch einen großen Einfluss auf das Pandemiegeschehen haben. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Mutationen im Spikeprotein, da die durch Impfung vermittelte Immunreaktion sich vor allem auf das Spikeprotein konzentriert. Bestimmte Mutationen im Spikeprotein (in der Rezeptorbindungsdomäne) können darüber hinaus auch die Empfindlichkeit gegenüber neutralisierenden Antikörpern nach überstandener Infektion reduzieren, was die Gefahr einer symptomatischen Re-Infektion erhöhen könnte. Seit Mitte Dezember 2020 wird aus Großbritannien über die zunehmende Verbreitung der Virusvariante B.1.1.7 (20H/501Y.V1; VOC 202012/01; VOC: variant of concern, besorgniserregende Variante) beim Menschen berichtet, die sich durch eine ungewöhnlich hohe Zahl an Mutationen insbesondere im viralen S-Protein auszeichnet. Die Variante B.1.1.7 war in der Folge weltweit für steigende Zahlen von Patienten auf Intensivstationen verantwortlich. Die britische Virusvariante breitet sich auch in Deutschland rasant aus. Inzwischen dominiert die britische Mutation das Infektionsgeschehen in einigen Gebieten der Welt, so auch in Deutschland. B.1.1.7 ist ansteckender und wohl auch gefährlicher für Menschen im Vergleich zum „Wildtyp“. Jüngere Menschen erkranken vermehrt; auch bei ihnen ist das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht. Ab März 2021 wurde die britische Virusvariante B.1.1.7  auch bei Haustieren (Hunden und Katzen) gefunden. Es handelt sich um Fälle von Reversen Zoonosen; die Tiere wurden von ihren Haltern angesteckt, die zuvor mit dieser Variante infiziert waren.

Es hat sich im Verlauf der Pandemie also recht schnell gezeigt, dass eine gemeinsame Betrachtung der SARS-CoV-2 Fälle bei Menschen und Tieren (im Sinne eines „One-Health“-Ansatzes) notwendig ist.

Mehr Informationen über SARS-CoV-2 in Tieren finden sich hier: https://www.oie.int/en/scientific-expertise/specific-information-and-recommendations/questions-and-answers-on-2019novel-coronavirus/events-in-animals/.