Empfeh­lungen für Tier­halter

Empfehlungen für Tierhalter © Pexels Engin Akyurt

Die bereits vorliegenden Fallberichte und Studienergebnisse zeigen eindringlich, wie wichtig ein ONE Health – Ansatz bei der Bewältigung der Pandemie ist.

Es ist nach den gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen davon auszugehen, dass SARS-CoV-2 von infizierten Menschen auf bestimmte Tierspezies übertragen werden kann. Auch untereinander können sich die Tiere anstecken.

Bislang wurden SARS-CoV-2-Infektionen vor allem bei Karnivoren aus drei Familien nachgewiesen: Canidae (Hunde), Felidae (Katzen) und Mustelidae (Marder, Frettchen, Nerze). Surveillance-Untersuchungen zur Klärung der Suszeptibilität für SARS-CoV-2 sind daher bei deutlich mehr Tierarten (Haustiere, Nutztiere und Wildtiere) nötig. Zahlreiche Studien sind in verschiedenen Ländern hierzu bereits durchgeführt worden oder angelaufen. Nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen kann die Beteiligung eines tierischen Reservoirs an der Pandemie nicht völlig ausgeschlossen werden, eine hohe Durchseuchung von Wildtieren wurde jedoch bislang jedoch nicht entdeckt.

Die Rolle von Haustieren als Reservoire von Infektionserregern, die auch Nutztieren gefährlich werden können, ist grundsätzlich vor allem bei Hunden und Katzen bekannt. Daher ist es auch so wichtig, zu untersuchen, ob infizierte Haustiere als (permanente) Reservoire von SARS-CoV-2 für Menschen dienen können. Es deutet allerdings derzeit nichts darauf hin, dass Hunde oder Katzen trotz ihrer nachgewiesenen Suszeptibilität eine nennenswerte Rolle bei der Verbreitung des Virus in der gegenwärtigen Pandemie spielen. Relevant für die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 ist (bis auf Einzelfälle) die Übertragung von Mensch zu Mensch via Tröpfcheninfektion und Aerosole.

Da nunmehr auch Impfungen zur Verfügung stehen (am 21.12.2020 wurde bereits in der EU der erste Impfstoff beim Menschen zugelassen), kamen Diskussionen über den Einsatz dieser oder ähnlicher Vakzine auch bei Tieren auf. Da Tiere jedoch im Infektionsgeschehen bzw. Pandemiegeschehen keine zentrale Rolle spielen, besteht aus Public Health – Sicht keine Veranlassung dafür. Aus einigen Ländern (z.B. USA, Russland, Australien) ist jedoch bekannt, dass an Tiervakzinen gearbeitet wird. Lediglich die Befürchtung, dass die großen Affen von SARS-CoV-2 empfindlich getroffen werden, könnten, ist sicherlich zu berücksichtigen. Für solche Tiergruppen gilt, dass Präventionsmaßnahmen jetzt das Maß aller Dinge sein müssen, zum Schutz der Menschen vor neuen Virusvarianten und zum Schutz der Tiere vor Infektionen durch die Menschen.

Empfehlungen:
Es wird empfohlen, dass infizierte Besitzer von Haustieren den allzu engen Kontakt mit ihren Haustieren und anderen Tieren vermeiden. „Gassi-Gänge“ sollten kurz gehalten werden und die Hunde dabei nur an der Leine geführt werden. Ist ein Haustierbesitzer an COVID-19 erkrankt, sollte die Pflege des Haustiers von einer anderen Person im Haushalt wahrgenommen werden. Hierzu ist es zielführend, sich im Vorfeld Gedanken über eine Notfallbetreuung für das Tier zu machen. Ist das nicht möglich, sind die gleichen Vorsichtsmaßnahmen, wie sie bereits für den Mensch-zu-Mensch-Kontakt vorgegeben sind, einzuhalten: möglichst im Haus bleiben, Mund-/​Nasenschutz verwenden, persönliche Hygienemaßnahmen etc. Obwohl derzeit noch wenige (experimentelle) „Tier-zu-Tier“-Übertragungen bestätigt sind, ist ein nachweislich an einer SARS-CoV-2-Infektion erkranktes Haustier von anderen Haustieren fernzuhalten. Ähnliches gilt für den Kontakt von infizierten Haustieren und Nutztieren. Ist der Halter infiziert und muss in Quarantäne, sollte das Haustier ebenfalls in häuslicher Quarantäne bleiben. Entsprechende Hygienemaßnahmen (Händewaschen o.ä.!) sind auch grundsätzlich beim sonstigen Umgang mit Tieren nötig.

Die Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta (CDC) empfehlen,

  • den Kontakt von Haustieren und Menschen außerhalb des Haushalts zu minimieren,
  • Katzen zur Kontaktvermeidung mit anderen Menschen oder Tieren im Haus zu lassen (wenn möglich),
  • Hunde strikt an der Leine zu führen, um Abstand zu anderen Menschen und Tieren zu gewährleisten,
  • Hundewiesen oder Parks zu meiden, wo viele Hunde und Menschen zusammenkommen.

Mehr Informationen über SARS-CoV-2 in Tieren finden sich hier: https://www.oie.int/en/scientific-expertise/specific-information-and-recommendations/questions-and-answers-on-2019novel-coronavirus/events-in-animals/

Siehe auch:
https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/daily-life-coping/animals.html

sowie
https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/animals/interim-guidance-managing-people-in-home-care-and-isolation-who-have-pets.html

sowiehttps://www.oie.int/en/scientific-expertise/specific-information-and-recommendations/questions-and-answers-on-2019novel-coronavirus/events-in-animals/

Informationen aus/für Deutschland:
https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00029177/Empfehlung-Umgang-mit-empfaenglichen-Haustieren_23-04-2020.pdf

FAQ: Welche Rolle spielen Haus- und Nutztiere?https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/coronavirus/

https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00033633/FAQ-SARS-CoV-2_2020-11-04-bf.pdf

Link zu Infektionen bei Katzen: https://doi.org/10.3201/eid2702.203884

Zum Umgang mit Wildtieren:
http://www.iucn-whsg.org/COVID-19GuidelinesForWildlifeResearchers

Das Netzwerk CREID (Centers for Research in Emerging Infectious Diseases) hat zum Ziel, pathogene Mikroorganismen zu detektieren, die von Wildtieren auf den Menschen übergehen (Zoonosen). Es soll als weltweite Surveillance-Struktur dienen. Ziel ist es, die nächste potentielle Pandemie zu erkennen, bevor der Erreger vom Tier auf den Menschen übertragen wird.