UVC-Fernlicht: Neue Technologie zur Dekontamination von Aerosolen

L. Zöller

Zu Kapitel 8.4 · Foto: COLOURBOX

Nachdem nun langsam die Erkenntnis gereift ist, dass im Rahmen einer Exit-Strategie zum Verlassen des strikten „Lockdowns“ die Pflicht zum Tragen eines Mund-/​Nasenschutzes in bestimmten öffentlichen Räumen doch hilfreich sein könnte, möchten wir noch auf eine andere Option hinweisen, die dazu beitragen könnte das Ansteckungsrisiko durch in der Raumluft schwebende virusbeladene Aerosole deutlich zu mindern. Die Rede ist von UVC-Fernlicht. Dass UVC-Licht in einem Wellenlängenbereich von 200-400 nm in der Lage ist, alle Mikroorganismen, gleich ob Bakterien oder Viren, effizient abzutöten, ist schon lange bekannt. UV-Licht wird daher routinemäßig in Op-Bereichen oder auch in Laboren zur Dekontamination von Oberflächen und Räumen eingesetzt. In öffentlichen Bereichen verbot sich aber der UVC-Einsatz wegen seiner krebserregenden Wirkung auf die menschliche Haut bzw. wegen der Gefahr der Katarakt-Bildung bei Exposition der Hornhaut des Auges. Seit Ausbruch der SARS-COV-2-Pandemie ist plötzlich die private Nachfrage nach konventionellen (und damit bei Exposition gesundheitsschädlichen) UVC-Lichtquellen, die meist UV-Licht der Wellenlänge 254 nm abstrahlen, sprunghaft angestiegen. Offensichtlich werden sie zur Dekontamination von Schutzmasken vor Wiederverwendung oder zur Raumluftdesinfektion eingesetzt. Auf diese Möglichkeit, haben wir oben bereits hingewiesen (siehe: „Wiederverwendung von Schutzmasken“).

Eine Arbeitsgruppe der Columbia Universität New York propagiert nun seit Jahren einen besonderen Typ von UVC-Licht, der auch als UVC-Fernlicht (engl.: far-UVC) bezeichnet wird, um multiresistente Bakterien, wie zum Beispiel MRSA oder luftübertragene Viren wie Influenza-Virus abzutöten. Es handelt sich um UVC-Licht der Wellenlänge 222 nm. Dieses kann weder die menschliche Haut noch die Hornhaut penetrieren und ist daher für den Menschen bei Exposition vollkommen unschädlich. Es wird mithilfe von Kr-Cl-Excimer-Lampen emittiert. In einer 2018 erschienenen Arbeit der Gruppe um David Brenner wurde erstmals experimentell nachgewiesen dass UVC-Fernlicht mit einer Wellenlänge von 222 nm in der Lage ist Influenza-A-Virus in Aerosolen wirksam abzutöten (https://www.nature.com/articles/s41598-018-21058-w). Die virushaltigen Aerosole wurden dabei in einer Tisch-UV-Bestrahlungskammer maschinell erzeugt und wiesen ein Größenspektrum auf, wie es auch bei menschlichem Husten, Niesen und Atmen entsteht. Dabei folgte die Inaktivierung des Virus einem typischen exponentiellen Desinfektions-Modell. Eine Dosis von nur 1,6m J/cm2 reichte bereits aus, um 95 % des Virus abzutöten.

Daraus kann geschlossen werden, dass an Raumdecken angebrachte UVC-Fernlicht-Quellen in öffentlichen Räumen eine sichere und effiziente Methode darstellen können, um die Übertragung und Ausbreitung luftübertragener mikrobieller Erkrankungen einzudämmen. Die Ozon-Bildung soll dabei übrigens minimal sein. Entsprechende Lichtquellen sind nicht allzu teuer. Im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie könnten sie die Viruslast in virushaltigen Aerosolwolken in Räumen mit hohem Publikumsverkehr wirksam und schnell reduzieren und damit einen signifikanten Beitrag leisten, um nach Aufhebung der strikten Ausgangsbeschränkungen wieder eine Normalisierung des öffentlichen Lebens zu erreichen.