SARS-CoV-2 in Nerz­farmen

P. Scheid

Zu Kapitel 9.5 · Foto: Pexels

Es sollten die Nerze sein, die in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, denn ab Ende April 2020 wurden Fälle von positiv getesteten Nerzen (Neovision vison: amerikanischer Nerz, Mink) aus Nerzfarmen in den Niederlanden (vor allem Nordbrabant und Limburg) gemeldet. Bis Ende Oktober 2020 waren bereits 70 Farmen in den Niederlanden betroffen. Im Zuge der Untersuchungen wurde festgestellt, dass Nerze offenbar, ähnlich wie Menschen und andere Tiere, die Infektion symptomfrei überstehen können. Es stellte sich aber auch heraus, dass Nerze COVID-19-analoge Symptome entwickeln und auch daran versterben können. Im Rahmen der Untersuchung der ersten Fälle in den betroffenen Nerz-Farmen zeigte sich, dass Mitarbeiter der Farmen zuvor ebenfalls COVID-19-typische (gastrointestinale bzw. respiratorische) Symptome gezeigt hatten. Daher wurde angenommen, dass initial eine „Mensch-zu-Nerz“-Infektion stattgefunden hatte, sowie anschließend auch eine Weiterverbreitung von „Tier zu Tier“. Als Gegenmaßnahme wurden die betroffenen Nerz-Farmen großräumig abgesperrt, die Hygienemaßnahmen wurden verschärft, und der Transport von Nerzen aus den betroffenen Farmen wurde untersagt. Alle Tiere in den betroffenen Farmen wurden gekeult. Besuchsverbote folgten für alle Nerz-Farmen. Die niederländische Regierung verfügte, 128 Nerz-Farmen bis März 2021 zu schließen (beabsichtigt war die Schließung erst für das Jahr 2024). Die Dynamik, mit der seit Ende April 2020 Meldungen über neu betroffene Farmen in den Niederlanden eingingen, zeigt, dass die dortigen Behörden es über Monate nicht schafften, die Ausbreitung von Farm zu Farm zu stoppen. Immer noch ist nicht klar, wie das Virus von Farm zu Farm gelangte bzw. wie genau es sich ausbreitete. Die Meldungen über betroffene Nerz-Farmen in den Niederlanden verloren bis Ende 2020  nicht an Dynamik. 2,7 Millionen Nerze wurden in den Niederlanden bis November 2020 gekeult. Trotz Bekämpfungsmaßnahmen wurden nach wie vor neue Farmen als „betroffen“ gemeldet. Bei Umgebungsuntersuchungen konnten SARS-CoV-2-Viren selbst im Staub in der Nähe der Tiere nachgewiesen werden. Katzen und andere in der Nähe der Farmen lebende Tiere wurden in die Umgebungsuntersuchungen mit einbezogen. Bei 24 freilaufenden Katzen aus der Umgebung von zwei betroffenen Farmen wurden Proben zur Untersuchung auf SARS-CoV-2 (PCR) bzw. SARS-CoV-2-Antikörper (Neutralisationstest) entnommen. Bei sieben Katzen wurden SARS-CoV-2-Antikörper nachgewiesen, eine Katze wurde auch in der PCR schwach positiv getestet. Man geht davon aus, dass die Katzen von den Nerzen angesteckt wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht immer die gleichen „Nerz-Varianten“ des Virus in verschiedenen Farmen des gleichen Besitzers gefunden wurden. So fanden sich bei verschiedenen Farmen eines Nerz-Züchters in Ostbrabant gleich drei verschiedene SARS-CoV-2-Varianten. Auch in benachbarten Farmen waren es nicht die gleichen Virusvarianten, die im Rahmen der Untersuchungen entdeckt wurden. Die Varianten, die in Dänemark von betroffenen Tieren auf Menschen übertragen wurden (siehe unten), wurden auch in den Niederlanden in einer Nerz-Farm gefunden. Mit Stand Januar 2021 wurden Nerze auf 70 Farmen gekeult. Die öffentlichen Stellen in den Niederlanden haben alle Nerzfarmen geschlossen. Ab 2021 wurde die Haltung von Nerzen verboten.

Kann das Virus vom Nerz auf den Menschen übertragen werden?

Mitte Mai 2020 meldete das holländische Gesundheitsministerium, dass davon auszugehen ist, dass sich einer der Arbeiter auf der besagten Nerz-Farm bei den infizierten Nerzen angesteckt hat. Ende Mai 2020 wurde ein weiterer Fall eines Farmarbeiters entdeckt, der sich mutmaßlich bei den infizierten Nerzen angesteckt hatte (https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.09.01.277152v1). Auch die bei Menschen und Tieren aus möglichen Infektionsketten analysierten Virusgen-Sequenzen (von Nerz-Varianten) lassen den Schluss zu, dass in zwei Fällen holländische Farmarbeiter von Nerzen infiziert wurden. Offenbar kann SARS-CoV-2 über längere Zeit in den Tierpopulationen der betroffenen Farmen persistieren und zirkulieren. Es wird davon ausgegangen, dass die Viren initial von infektiösen Menschen (Pfleger, Farmarbeiter) auf die Tiere übertragen worden waren. Da in der Folge aber auch zwei Fälle bestätigt wurden, bei denen SARS-CoV-2 von den Nerzen auf Menschen übertragen wurde, stellt diese Infektionskette durchaus eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit (Public Health) dar (https://www.eurekalert.org/pub_releases/2020-09/esoc-sss_1091720.php).

Auch in Dänemark kam es ab Mitte Juni 2020 zu SARS-CoV-2-Ausbrüchen auf Nerz-Farmen. Die Farmen wurden unter Quarantäne gestellt und die Nerze gekeult. Auch hier war die Infektion der Tiere wahrscheinlich durch Mitarbeiter des Betriebes erfolgt. Ähnlich wie in den Niederlanden wies die dänische Regierung nach dem Auftreten der ersten Fälle Screening-Maßnahmen an. Die getroffenen Schutzmaßnahmen (Zugang, Handel etc.) entsprachen denen, die auch in den Niederlanden getroffen wurden. Die deutlich ausgeweiteten Testungen in den Nerz-Farmen trugen auch zu den rapide steigenden Zahlen bei.  Im Norden Dänemarks wurden 30% der Personen, die Kontakt zu den Farmen hatten, positiv getestet. 27% dieser Fälle ging auf Nerz-assoziierte Stämme zurück. Bis zum Juni 2020 zeichnete sich Dänemark für 40% der weltweiten Nerzpelzproduktion verantwortlich. Bis zum Ende der angeordneten Keulung waren etwa 25% der Farmen betroffen, was etwa 3-4 Millionen infizierten Tieren entspricht. Durch Farmarbeiter aus zahlreichen anderen Ländern wurden möglicherweise diese Nerz-Varianten auch in andere Länder (z.B. Kroatien) verbracht. Bis zum 12.11.2020 waren 255 Farmen betroffen. Mit Datum 01.12.2020 waren 290 Nerz-Farmen (von 1147 Farmen; und damit etwa 20% aller dänischen Farmen) betroffen.

Nachdem schon die Virusausbreitung in den dänischen Nerzfarmen nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte, wurden Virusstämme in den Tieren nachgewiesen, die aufgrund von Mutationen verringerte Sensitivität gegen Antikörper zeigte. 5 verschiedene Cluster von „Nerz-Varianten“ wurden bereits nachgewiesen. Insbesondere Cluster 5 beunruhigt die Wissenschaftler. Die in den Tieren gefundene SARS-CoV-2 Variante aus dem Cluster 5 wurde in der Folge auch bei 12 Menschen in der Region nachgewiesen. Insgesamt wurden bei der Untersuchung von über 5000 Proben insgesamt 214 weitere mit Nerz-Varianten infizierten Menschen gefunden. Die dänische Regierung hat umgehend strenge Maßnahmen erlassen, um die Ausbreitung der Virusstämme zu verhindern. Am 07.12.2020 wurde aus Dänemark gemeldet, dass immer mehr Beschäftigte der Nerz-Farmen positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Sequenzuntersuchungen zeigten, dass es sich bei einem Teil der Virusstämme um Nerz-Varianten handelte. Mit Datum 09.12.2020 wurde bekannt gegeben, dass auf mindestens einer der betroffenen Nerz-Farmen in Nord-Jütland auch die dort lebenden bzw. streunenden Katzen getötet wurden, nachdem bei einigen der Katzen positive PCR-Nachweise sowie Antikörpernachweise vorlagen. Am 21.12.2020 hat Dänemark beschlossen die Nerzfarmen bis 2022 zu schließen. Ende 2020 hat die dänische Regierung die Keulung aller Nerze in den Farmen angeordnet, um ein potentielles Tierreservoir zu verhindern. Mehr als 17 Millionen Nerze wurde bis dato in Dänemark gekeult. Die bestätigten Fälle der Übertragung von Nerz-Stämmen auf den Menschen haben wohl zu dieser Entscheidung beigetragen. In der Umgebung der betroffenen Nerzfarmen wurden Wildtiere (Nerze, Füchse, Marderhunde) und streunende Katzen getestet.

Sind die Nerz-Varianten des Virus besonders gefährlich?

Die Nerz-Varianten des Virus zirkulieren recht leicht zwischen den Nerzen, aber auch zu Menschen, die in engerem Kontakt zu den Tieren stehen. Die Übertragbarkeit der Nerz-Varianten ist ähnlich wie die bereits zirkulierenden Varianten. Diejenigen Personen, die sich in Dänemark mit der Cluster 5 – Variante angesteckt hatten, zeigten keine gravierenderen Symptome als Menschen, die mit anderen SARS-CoV-2 Varianten infiziert waren. Es besteht jedoch immer die Möglichkeit, dass diese Varianten einen Einfluss auf Reinfektionen, Effektivität der Impfung, Behandlung mit Plasma von genesenen Patienten oder monoklonalen Antikörpern haben (https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/RRA-SARS-CoV-2-in-mink-12-nov-2020.pdf).

In Schweden befanden sich 2020 etwa 40 Nerz-Farmen mit ungefähr 600.000 Tieren. Am 24.10.2020 wurde auch der erste Fall aus Schweden gemeldet. Gleich mehrere Nerze wurden auf einer Nerz-Farm in Solvesborg in Blekinge positiv auf SARS-CoV-2 getestet. In der betroffenen Farm befanden sich etwa 9.500 Tiere. Auch Farmarbeiter (inklusive dem Farmbesitzer und dessen Vater) wurden hier bereits positiv getestet, so dass auch bei diesen Fällen davon ausgegangen werden kann, dass Menschen initial die Tiere angesteckt haben. Keulungen wurden jedoch noch nicht angeordnet. Am 06.11.2020 wurden 9 weitere bestätigte Fälle von Nerz-Farmen im südöstlichen Teil des Landes (ebenfalls Blekinge) gemeldet. In schwedischen Nerz-Farmen wurde die in Dänemark nachgewiesene Mutante (Cluster 5; siehe oben) nicht gefunden. Am 20.12.2020 wurden aus der gleichen Gegend (Blekinge) drei weitere Farmen mit positiven Fällen bei den Nerzen gemeldet. Die Zahl der betroffenen Farmen stieg somit auf 13. Bis zum Dezember 2020 gab es in Schweden keine Anweisung für eine Keulung von Nerzen. Bislang gehören alle SARS-CoV-2 Varianten (bei den Nerzen oder auch bei Farmarbeitern) zu der sogenannten Linie B1.1.39. Sonstige Mutationen wurden bislang keine festgestellt. Surveillance-Maßnahmen wurden umgesetzt. Ende August 2021 erfolgte aus Schweden die Meldung von SARS-CoV-2 Fällen bei Nerzen auf einer Farm in Skara, Västra Götaland län. Bei 6 verendeten Tieren waren die Abstriche in der PCR positiv. Weder die Morbididät noch die Mortalität waren erhöht. Das Virus gehörte zur Variante B.1.1.464. Diese Variante wurde bereits bei Nerzen in zwei anderen Ländern bereits gefunden. In Schweden ist sie jedoch bislang nicht aufgetreten. Dies ist für 2021 der erste Fall von SARS-CoV-2 Nachweisen bei Nerzen in Schweden. In 13 Farmen in Blekinge wurde die Variante B.1.1.39 bei Nerzen im November 2020 nachgewiesen (siehe oben).

In Spanien wurden im Juli 2020 knapp 93.000 Nerze gekeult, nachdem auch hier die Tiere auf einer Nerz-Farm positiv getestet worden waren. Die Farm befindet sich in Aragon (La Puebla de Valverde) in Galizien. Die Frau eines der Farmarbeiter war im Mai 2020 positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden. Das Kontakt-Tracing führte dann auch zur Nerz-Farm. Mittlerweile waren nämlich vierzehn Farmarbeiter positiv getestet worden. Initial wurden die Tiere auf der Farm isoliert und dann untersucht. Als in einer Stichprobe von 90 Tieren etwa 80% der Tests positiv ausfielen, wurde die Entscheidung getroffen, alle Tiere zu keulen. Die Tiere zeigten durchweg keinerlei Symptomatik. Aus Kastilien und Leon wurden am 26.01.2021 SARS-CoV-2 positiv getestete Nerze aus Nerz-Farmen gemeldet. Die Tiere zeigten keine klinischen Symptome. Infizierte Farmarbeiter sollen auch hier das Virus in die Farm eingetragen haben. Am 10. Juni 2021 meldete Galizien (Spanien) einige positiv getestete Nerze, die nach ersten Einschätzungen von infizierten Farmarbeitern angesteckt wurden. Im Juli 2021 folgten gleich mehrere Meldungen von infizierten Nerzen auf Farmen in Spanien. Insbesondere waren diesmal mehrere Farmen in Galizien betroffen. Von Juni 2020 bis Juni 2021 hat Spanien somit 9 Ausbrüche mit SARS-CoV-2 gemeldet. Ende Juni / Anfang Juli 2021 erkrankten in Galizien, Oza Cesuras, A Coruña, Nerze an SARS-CoV-2. Ausbrüche wurden im Juni 2020 aus Teuruel gemeldet, im Januar 2021 aus Avila und A Coruña im Januar, März und Juni 2021. In Galizien (Sobrado und Negreira, A Coruña) kam es Mitte Juli 2021 zu weiteren Ausbrüchen bei Nerzen auf Nerzfarmen. Am 17. August 2021 wurde aus Spanien (Galizien) erneut eine SARS-CoV-2 Infektion bei Nerzen auf einer Farm gemeldet. Auf der Farm leben 8760 Nerze. Die positiven PCR-Testergebnisse resultierten aus einer Surveillance-Untersuchung. Bis zu den positiven Testergebnissen zeigten keine der Tiere auffällige Symptome. Auch die Mortalitätsraten waren unauffällig. Damit steigt die Zahl der Ausbrüche auf den betroffenen Farmen im August 2021 in Spanien auf 13.

 

Die italienischen Nerz-Farmen befinden sich in der Lombardei, in Venetien, in den Abruzzen und in der Region Emilia-Romagna. Am 27.10.2020 wurden auch Nerze in einer italienischen Nerz-Farm positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Folgetests fielen jedoch negativ aus. Bis zum 10.08.2020 waren 9 Nerz-Farmen betroffen. Am 23.11.2020 wurde seitens der italienischen Behörden bekanntgegeben, dass bis Ende Februar 2021 alle Nerz-Farmen in Italien geschlossen sein werden.

Am 13.11.2020 wurden SARS-CoV-2 Fälle bei Nerzen auf 2 Nerz-Farmen in Nord-Griechenland (Kozani und Kastoria) gemeldet. Etwa 2500 Tiere wurden daraufhin gekeult. Im Vorfeld wurden Farmarbeiter ebenfalls positiv getestet. Anfang Dezember 2020 sind weitere 11 Fälle auf Nerz-Farmen bestätigt worden. Diese Farmen befinden sich in den Regionen West Mazedonien, Kozani, Kastoria und Grevena. Auf diesen Farmen wurden Fälle bei den Farmarbeitern gemeldet. Die Tiere zeigten keinerlei Symptomatik. Bei den Fällen auf allen 12 Nerz-Farmen in Griechenland wird davon ausgegangen, dass infizierte Farmarbeiter das Virus eingeschleppt haben. Entsprechende Schutzmaßnahmen sind eingeleitet, ebenso Genomanalysen. Am 15.12.2020 folgte die Mitteilung, dass die Nerz-typische Y453F-Mutation im Spike-Protein des Virus bei 5 infizierten Farmarbeitern gefunden wurde. Diese Mutation findet sich auch bei der Cluster 5 Variante (aus Dänemark; siehe oben), dort aber zusammen mit einigen anderen Mutationen. In Nerzen einer der Farmen in West-Mazedonien konnte die Virusvariante ebenfalls nachgewiesen werden. Seit dem ersten Nachweis auf Nerz-Farmen sind mittlerweile weitere 14 Farmen betroffen. In Griechenland wird deswegen diskutiert, auch die Farmarbeiter prioritär zu impfen.

Am 22.11.2020 wurde aus Frankreich (Champrond-en-Gâtine, Département Eure-et-Loir, Region Centre-Val de Loire) der erste Fall eines infizierten Nerzes in einer Farm gemeldet. Die 1000 Nerze auf der Farm wurden gekeult.

Aus Litauen wurden am 26.11.2020 die ersten Fälle von SARS-CoV-2 bei Nerzen auf einer Nerz-Farm (im Jonava Bezirk) berichtet. Ein Farmarbeiter wurde ebenfalls positiv getestet. Die Farm wurde geschlossen und weitgehende Hygienemaßnahmen eingeführt. In Litauen wurden bis dato etwa 1,6 Millionen Nerze auf etwa 86 Farmen gehalten. Am 30.11.2020 wurde gemeldet, dass mittels PCR eine SARS-CoV-2-Infektion bei zahlreichen Nerzen bestätigt werden konnte. Auch für die Fälle in Litauen wird angenommen, dass das Virus von einem infizierten Farmarbeiter eingeschleppt wurde.

Aus Polen erreichten uns die ersten Meldungen über SARS-CoV-2 Fälle bei Nerzen am 24.11.2020. 8 infizierte Tiere wurden auf einer Farm in Woiwodschaft Pommern gemeldet. Auch in polnischen Nerz-Farmen wurden mehrere Farmarbeiter SARS-CoV-2 positiv getestet. Diese Fälle aus dem Norden Polens wurden von den Behörden nicht bestätigt. Im Februar 2021 wurden aus Leźno, Leźno, Powiat Kartuski die ersten offiziellen Fälle von positiv getesteten Nerzen aus Nerz-Farmen gemeldet. In Polen befinden sich über 350 Nerz-Farmen. In den gemeldeten Fällen wird eine initiale Infektion der Nerze durch Farmarbeiter angenommen. Ebenfalls aus Polen (Wisznice-Kolonia, Wisznie, Biata Podlaska, Lubelskie) wurde Ende Juni 2021 gemeldet, dass mehrere Nerze auf einer Nerzfarm positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Die infizierten Tiere zeigten keinerlei Symptomatik. Die Ergebnisse einer polnischen Studie zu SARS-CoV-2 bei Nerzen in Farmen wurde Mitte August 2021 veröffentlicht (https://doi.org/10.3201/eid2709.210286). Es wurden 91 Nerze auf einer Farm in Pomorskie Voivodeship in Nordpolen untersucht. 15 Tiere konnten mittels PCR positiv getestet werden. Das anschließende Sequenzieren (Vollgenomsequenzierung) ergab Mutationen im Spike Protein (G75V und C1247F). Nachdem in Dänemark im Zuge der Ausbrüche in den Nerzfarmen zahlreiche Tiere gekeult wurden, ist nunmehr Polen der größte Produzent von Nerzfellen.


Aus den USA wurde am 17.08.2020 der erste bestätigte Fall einer SARS-CoV-2-Infektion bei einem Tier in einer Nerz-Farm in Utah gemeldet. Auslöser der entsprechenden Untersuchungen war eine unüblich große Zahl an Todesfällen unter den Tieren gewesen. SARS-CoV-2 war daraufhin bei fünf Tieren nachgewiesen worden. Die Farm wurde unverzüglich unter Quarantäne gestellt. Mitarbeiter dieser Farm waren zuvor bereits positiv getestet worden. Es gibt 245 Nerz-Farmen in 22 Bundesstaaten der USA. Davon befinden sich die meisten im Bundesstaat Utah. Allein dort sind bis zum 02.10.2020 tausende Nerze innerhalb von nur 10 Tagen an SARS-CoV-2 Infektionen gestorben. Neun Farmen sind unter Quarantäne. Insbesondere aus den USA wurde berichtet, dass vor allem Nerze im Alter von 1-4 Jahren an SARS-CoV-2 Infektionen verstarben, während jüngere Nerze davon verschont blieben (die Lebenserwartung beträgt 7 bis 10 Jahre). Auch in den USA wird angenommen, dass Farm-Arbeiter das Virus in die Farmen eingeschleppt haben. Einige der Mitarbeiter wurden positiv getestet. Nach dem Bekanntwerden der ersten Fälle wurden in den Farmen Schutzmaßnahmen ergriffen. So wurden die Farmarbeiter getestet, die Desinfektionsmaßnahmen wurden implementiert oder verstärkt, restriktive Zugangsberechtigungen und Quarantänemaßnahmen wurden erlassen etc. Während des Ausbruchs in den Nerz-Farmen in Utah wurden keine Nerz-zu-Mensch-Übertragungen bestätigt. Aus dem Bundesstaat Wisconsin wurde gemeldet, dass fast einen Monat nach der Bestätigung der ersten 9 Fälle etwa 5000 Nerze im Taylor County verendet sind bzw. gekeult wurden. Am 04.11.2020 wurde eine zweite Farm mit positiven Fällen gemeldet. Aus den USA erreichte uns am 11.12.2020 die Meldung, dass bei einem wilden Nerz ein PCR-Test auf SARS-CoV-2 positiv ausgefallen ist. Das Ergebnis resultiert aus einer One-Health-Surveillance-Studie des United States Department of Agriculture (USDA) Animal and Plant Health Inspection Service.  Die Symptome bei den Nerzen auf den US-Farmen wurden durchweg als stärker beschrieben als die gemeldeten Symptomen aus europäischen Nerzfarmen. Die genauen Gründe hierfür können mannigfaltig sein und sind bislang nicht suffizient geklärt (https://doi.org/10.3390/life11020123).

Aus Kanada (British Columbia) wurde am 07.12.2020 gemeldet, dass es einen Ausbruch bei Nerzen auf einer Nerz-Farm (Fraser Valley; British Columbia) gegeben hat. Im Vorfeld wurden bereits 8 Mitarbeiter der Farm positiv getestet. Es wird angenommen, dass infizierte Menschen das Virus in die Farm eingeschleppt haben. Einige Farmarbeiter wurden am 03.12.2020 positiv getestet. Die Tiere zeigten zu dieser Zeit keinerlei Symptomatik. In den Folgetagen zeigte sich jedoch ein leichter Anstieg in der Mortalitätsrate (1%). Zwei Nerze wurden am 26. Juli 2021 in British Columbia (Kanada) auf der Abbotsford Farm positiv getestet. Seit Dezember 2020 sind also Nerze auf insgesamt drei Farmen in British Columbia positiv mit SARS-CoV-2 bestätigt worden.

In Irland wurde die Entscheidung getroffen, als Vorsichtsmaßnahme drei Nerz-Farmen zu schließen und alle Nerze zu keulen.

Warum gerade Nerze?

Nerze besitzen in ihren Lungen ebenfalls ACE-2 Rezeptoren, an die das Virus binden kann. Dies ist sicherlich eine der Ursachen dafür, dass Nerze (bzw. Vertreter der Familie der Marder, Mustelidae) als Wirte für SARS-CoV-2 fungieren können. Nerze (Neovision vision) und Iltisse (Mustela putorius) gehören zur gleichen Familie der Marder (Mustelidae) und sind sehr suszeptibel für SARS-CoV-2. Auch als Übergangswirt für die SARS-CoV-2 Viren (bzw. deren Verwandte) zwischen den Fledertieren und dem Menschen werden sie diskutiert.

Fazit:

Die Zahlen in den Nerz-Farmen (vor allem) in den Niederlanden, in Dänemark, in Schweden, in den USA und in Italien, Griechenland, Kanada, Frankreich, Litauen, Polen und Spanien belegen bereits eindrucksvoll, dass insbesondere Nerze sehr suszeptibel für SARS-CoV-2 sind. Nerzfarmen befinden sich vor allem auch in China und Finnland. Aus den letztgenannten Ländern liegen jedoch derzeit keine Informationen über Fälle, Surveillance-Ergebnisse etc. vor. Das Auftauchen von sogenannten Nerz-Varianten in Dänemark hat recht schnell die Bedenken bezüglich eines solchen Reservoirs geschürt, das SARS-CoV-2 Mutationen hervorbringen könnten, die beim Menschen durch vorhandene Antikörper eventuell nicht neutralisiert werden könnten. Daher wurden gerade diese Mutanten bzw. deren Adaptation an den neuen Wirt eng überwacht, sobald sie vom Menschen auf Tiere übertragen werden. Insbesondere die Etablierung eines tierischen Reservoirs, von welchem das Virus immer wieder (mutiert) auf Menschen übertragen werden könnten, wird grundsätzlich immer befürchtet. Auch die Übertragung des Virus oder seiner Mutanten von Farmtieren auf Wildnerze, Frettchen oder andere Wildtiere ist im Fokus der Surveillance.

Sobald Tiere als SARS-CoV-2-Reservoir identifiziert werden, ergibt sich ein Public-Health-relevantes Problem durch die Möglichkeit der Rückübertragung von Virusvarianten aus dem tierischen Reservoir auf den Menschen. Im Fall der Nerz-Farmen ist davon auszugehen, dass Farmarbeiter das Virus initial auf die Tiere übertragen haben. Innerhalb der Nerzpopulation in Dänemark kam es zu Mutationen. Die neuen Varianten sind dann wieder auf Menschen rückübertragen worden. Sie können sich grundsätzlich in Schlüsseleigenschaften wie Virulenz, Übertragbarkeit und Impfstoffempfindlichkeit von der in der menschlichen Population vorherrschenden Variante unterscheiden.

Eine globale Risikoanalyse zur Thematik der Nerz-Farmen bzw. auch Wildtieren ist im Februar 2021 veröffentlicht worden (siehe: „SARS-CoV-2 in animals used for fur farming – global early warning system and risk assessment“). Auslöser zu diesem Statement waren sicherlich die Meldungen aus den Nerzfarmen in den Niederlanden, beginnend im April 2020 und die Nerz-Varianten aus Dänemark (Cluster 5). Der One-Health-Ansatz wird auch hier wieder betont (https://www.euro.who.int/en/health-topics/health-emergencies/coronavirus-covid-19/news/news/2021/2/new-assessment-shows-high-risk-of-introduction-and-spread-from-fur-farming-of-the-virus-that-causes-covid-19).

 

Studie zur Übertragung in Nerzfarmen im August 2021 publiziert

(Publikation: https://oem.bmj.com/content/early/2021/07/29/oemed-2021-107443)

Mittel Luftsammlern und der Entnahme von Umweltproben wurden in niederländischen Nerzfarmen Untersuchungen zu den Übertragungswegen (von Tier zu Tier, Mensch zu Tier oder Tier zu Mensch) durchgeführt. Im aufgewirbelten Staub der Nerzfarmen wurde SARS-CoV-2 RNA nachgewiesen, wenn die Proben innerhalb der Farmen gewonnen wurden. Luft-Proben außerhalb der Farmen blieben negativ. Zudem ergaben die Untersuchungen zahlreicher Oberflächen-Proben aus dem direkten Umfeld der Nerze positive Ergebnisse. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Farmen mit infizierten Tieren ein hohes Risiko für Ansteckung bieten. Eine Weiterverbreitung nach „außen“ erscheint dagegen nicht wahrscheinlich.

Die „Kernaussagen in der nun publizierten Studie sind:

– Infektionen mit SARS-CoV-2 auf Nerzfarmen ist in den Niederlanden als erstes aufgetreten. Erst später folgten die Berichte aus anderen Ländern.

– Das hat recht schnell zu Befürchtungen geführt, dass es aus diesen Farmen heraus zu einer Umweltkontamination kommen könnte, dass sich Farmarbeiter anstecken könnten und dass die Bevölkerung in der Nähe der Farmen direkt betroffen sein könnte

– In der Studie konnte eine hohe Belastung mit SARS-CoV-2 mittels molekularbiologischer Methoden im Inneren der Farmen auf Flächen sowie in der „Raumluft“ nachgewiesen werden.

– Die „Verteilung“ von SARS-CoV-2 in die Außenluft bzw. die Umwelt kann jedoch ausgeschlossen werden. Weder in den Luftsammlern noch in anderen Umweltproben , die im Umfeld der betroffenen Farmen genommen wurden, konnte SARS-CoV-2 RNA nachgewiesen werden. Daher ist das Risiko einer Umweltkontamination minimal.

– Aufgrund der nachgewiesenen Übertragungen von Tieren auf den Menschen und von Menschen auf Tiere sind die Hygienemaßnahmen in den betroffenen Farmen strikt einzuhalten

– Sobald in einer Farm nachweislich Tiere mit SARS-CoV-2 infiziert sind, sollte die komplette Farm als „kontaminiert“ gelten. Dies sollte wiederum Hygienemaßnahmen zur Infektkettenunterbrechung (säubern, desinfizieren, keulen) als Folge haben.