Therapie­optionen:
Fazit und Ausblick

Nach gegenwärtiger Lage lässt sich resümieren, dass von den bereits jetzt oder möglicherweise kurzfristig verfügbaren Substanzen das Hydroxychloroquin wegen seiner oralen Applizierbarkeit und vergleichsweise guten Verträglichkeit die besten Chancen gehabt hätte, zu einem Gamechanger zu werden, falls es sich in randomisierten klinischen Studien als wirksam erwiesen hätte. Mehr und mehr Daten aus Metaanalysen und randomisierten klinischen Studien sprechen allerdings gegen die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin. Remdesivir behauptet sich als die antivirale Substanz mit dem größten Potenzial. Allerdings hat auch Remdesivir die anfangs in das Mittel gesetzten Erwartungen nicht in vollem Umfang erfüllt. Zwar gibt es sowohl in den USA als auch in Europa jetzt eine Autorisierung für den Einsatz der Substanz im Rahmen des Härtefallprogramms, d. h. für stationär behandelte schwer kranke Patienten, jedoch scheint Remdesivir nur dann einen statistisch signifikanten Vorteil zu bringen, wenn es in einem gewissen Zeitfenster eingesetzt wird, bevor die Patienten beatmungsbedürftig werden. Mit Remdesivir lässt sich daher die Zahl der hospitalisierungspflichtigen Patienten nicht reduzieren, möglicherweise aber die Zahl tödlicher Verläufe, wenn es rechtzeitig eingesetzt wird. Keinesfalls verhindert jedoch die Substanz generell tödliche Verläufe. Ein weiteres Problem könnte bei späterer Zulassung die weltweite Verfügbarkeit werden, die von der Produktionskapazität des Herstellers (Gilead) abhängt.

Augenblicklich ist keine antivirale Einzelsubstanz in Sicht, mit der sich tödliche Verläufe bei COVID-19 sicher vermeiden lassen. Alle derzeit in der Praxis einsetzbaren Substanzen haben eine begrenzte Wirksamkeit, die nur unter bestimmten Rahmenbedingungen gegeben ist: Remdesivir hat nur einen Einfluss, wenn es rechtzeitig vor Eintreten der Beatmungspflicht gegeben wird. Auf ca. 30 Behandlungsfälle kann ein Todesfall vermieden werden. Dexamethason kann in niedriger Dosierung bei geeigneten Patienten mit schweren und kritischen Verläufen gegeben werden und verhindert im Durchschnitt einen Todesfall auf 8 behandelte Fälle. Tocilizumab kann bei schweren Verläufen eingesetzt werden und hat vermutlich einen positiven Effekt auf die Letalität, jedoch fehlt noch der Nachweis in einer randomisierten klinischen Studie.