Gibt es eine Vor­beu­gung gegen die Infektion oder einen schweren Verlauf?

L. Zöller

Derzeit werden täglich die neuesten Infektionszahlen der COVID-19-Pandemie veröffentlicht, ebenso ist die Zahl der an COVID-19 Verstorbenen verfügbar, sowie die Zahl der Patienten, die hospitalisiert werden müssen oder die einer Beatmung bedürfen. Man weiß allerdings nicht, welcher Anteil der Infizierten hospitalisiert bzw. intensivpflichtig wird, da die Grundgesamtheit der Infizierten nicht bekannt ist. Die gemeldeten Infektionszahlen beziehen sich nämlich nur auf diejenigen, bei denen die Indikation für einen Labortest vorlag, meist das Auftreten von Krankheitssymptomen. Es gibt jedoch zahlreiche Hinweise darauf, dass ein erheblicher Anteil der Infizierten keine oder nur geringe Symptome entwickelt. Diese werden, wenn nicht eine epidemiologische Indikation vorliegt (z. B. identifizierte Kontaktperson) nicht getestet und landen damit nicht in der Statistik. Sie können nur im Nachhinein im Rahmen einer Surveillance anhand des Nachweises spezifischer Antikörper gegen SARS-CoV-2 erkannt werden. Von denjenigen, die manifest erkranken, entwickelt die Mehrzahl, ca. 80 %, nur milde Symptome, bei den übrigen kommt es, meist in der 2. Woche der Erkrankung, zu einer Verschlechterung, die zur Krankenhausaufnahme führt, ca. 5 % entwickeln ein ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome) und müssen beatmet werden. Es kann mittlerweile als gesichert gelten, dass mit der Progredienz zum ARDS bestimmte Risikofaktoren assoziiert sind, wie hohes Alter, Hypertonie, Diabetes, Vorerkrankungen der Lunge, z. B. Asthma oder COPD, Tumorerkrankungen und andere. Aber auch Personen ohne solche Risikofaktoren können eine schwere Verlaufsform von Covid-19 entwickeln. Die Frage ist, worin sich letztlich Patienten mit leichten Verläufen von denen mit schweren Verläufen unterscheiden, und ob das Risiko einer Progredienz zu schweren Verläufen im Vorfeld beeinflusst werden kann.

Im Folgenden wird daher auf einige Fragen eingegangen, die sich im Zusammenhang mit COVID-19 stellen. Kann man vorbeugend etwas tun? Sind bestimmte Medikamente schädlich? Können Nahrungsergänzungsmittel den Verlauf von COVID-19 beeinflussen? Zu vielen dieser Fragen gibt es keine gesicherten Erkenntnisse in Bezug auf das neue Coronavirus. Antworten lassen sich daher oft nur anhand von Analogien zu anderen Infektionskrankheiten oder von Ableitungen aus In-vitro-Daten und Tiermodellen geben, was naturgemäß einen mehr oder weniger spekulativen Charakter hat. Allerdings wird jeweils anhand einschlägiger Literatur dargestellt, was wissenschaftlich belegt ist und was nicht.