Was ist eine Zoo­nose, was eine Reverse Zoo­nose?

Fliegender Hund © Kasper Nymann bei COLOURBOX

Es geht eine zunehmende Gefahr von nicht wirtsspezifischen Krankheitserregern aus, die von Tieren über Lebensmittel, Wasser, Vektoren, beim Kontakt mit Haustieren oder durch Kontakt mit einer kontaminierten Umgebung auf den Menschen übertragen werden können. Die Übertragung von Krankheitserregern vom Tier auf den Menschen ist daher von großer Bedeutung. Solche Infektionskrankheiten werden unter dem Begriff „Zoonosen“ subsumiert. Etwa 75% der sogenannten „emerging infectious diseases“, die den Menschen betreffen, sind Zoonosen.

Der enge Kontakt von Menschen zu Tieren ermöglicht bzw. erleichtert die Übertragung von infektiösen Mikroorganismen, darunter pathogene Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten. Die enorme Mobilität von Menschen, Lebensmitteln, Tieren, Pflanzen und sonstigen Gütern begünstigt überdies die schnelle Ausbreitung solcher pathogenen Mikroorganismen über weite Räume.

Der Begriff „Zoonose“ wird üblicherweise verwendet, um Krankheiten zu beschreiben, deren Erreger von Tieren auf Menschen übertragen werden, bezieht sich aber auch auf den umgekehrten Übertragungsweg von Menschen auf Tiere. Während der Begriff hinsichtlich des Übertragungswegs von Tier zu Mensch noch mit dem Terminus „Anthropozoonose“ präzisiert werden kann, bezieht sich der Begriff „Zooanthroponose“ auf den Übertragungsweg von Mensch zu Tier. Die letztgenannten Begriffe werden jedoch häufig inkonsistent verwendet und sind nicht allgemein bekannt.

Der Begriff „Reverse Zoonose“ bezieht sich auf eine tierische Infektionserkrankung, bei der ein Erreger vom Menschen auf das Tier übertragen wurde. Durch die Verwendung des Begriffes Reverse Zoonose können unseres Erachtens andere künstlich klingende Wortkombinationen vermieden werden.

75% der neu auftretenden Erkrankungen des Menschen haben einen Zoonose-Charakter. 70% der neu auftretenden Erkrankungen der Tiere haben ihren Ursprung in Wildtieren. Insbesondere Fledertiere sind im Fokus der Untersuchungen, sind sie doch Wirte und Reservoire von Viren mit Potential, auch beim Menschen zu Krankheitsbildern zu führen.

Es gibt zahlreiche Beispiele von Mikroorganismen, die von Mensch zu Tier übertragen werden. Für Hepatitis-A- und -E-Viren, Masern, das humane Metapneumovirus, Influenzaviren, Rotaviren, Adenoviren, Astroviren, Enteroviren und Noroviren ist dies bekannt, und auch für Bakterien und Parasiten sind Reverse-Zoonose-Fälle häufiger beschrieben (z. B. für Giardien, Kryptosporidien).